Eine Maßnahme, die unsere Toiletten sauber halten soll, ist kurz nach Veröffentlichung des Interviews mit Herrn Richter in Kraft getreten, aber über ihre Wirksamkeit lässt sich streiten: Noch immer finden sich, besonders auf der Herrentoilette, zahlreiche, mitunter verfassungsfeindliche Graffitis und auch der oder die Vandalen haben keine Pause eingelegt. Eher scheinen sie sch in der Radikalität ihrer Werke sogar noch zu steigern. Wo vorher „nur“ Drohungen gegen die Antifa und die LGBTQ-Community an den Wänden standen, schmücken heute offene Hakenkreuze die Kabinentüren und wo vorher vielleicht ein Papierhandtuch oder das nicht gegessene Pausenbrot im Urinal landete, traf ich selbst vor gar nicht allzu langer Zeit einen nassen, grauen Haufen an, der sich bei näherer Betrachtung als Wollmütze herausstellte. Und selbstverständlich war jemand großzügig genug gewesen, den Reinigungskräften ein Geschenk dazulassen und hatte diese Urinal auch noch benutzt. Ein anderes Urinal wurde erst vor wenigen Tagen mit Kaugummi verstopft und, der Menge der Flüssigkeit nach zu urteilen, von mehreren Personen benutzt. Doch da hören die Großzügigkeiten noch lange nicht auf: Ein anonymer Spender aus der Schülerschaft  schenkte der Schule unlängst einen schwenkbaren Wasserhahn. Jedoch stellte sich heraus, dass die herzensgute Gabe unglücklicherweise nicht in der Lage war, ihrer Funktion als Wasserhahn nachzukommen. Ebenfalls anonym bleiben wollen die Künstler*innen, deren immer neue Kunstwerke die Innenseiten der Kabinen schon seit längerem zieren. Traurigerweise scheinen einige von ihnen jedoch einen Gesinnungswandel gehabt zu haben, denn zwischen phallischen Fruchtbarkeitssymbolen und farbenfrohen Kooperationsprojekten verschiedener Künstler fand sich vor kurzem ein Hakenkreuz. Dieses Symbol ist als verfassungsfeindlich eingestuft und seine Verwendung ist höchst strafbar, und das aus gutem Grund. Sollte ein Schüler es aus Spaß an die Tür gekritzelt haben, wäre das ein Armutszeugnis für den Geschichtsunterricht, denn jeder vernünftige Mensch würde einen erneuten Krieg vom Ausmaß des zweiten Weltkriegs definitiv vermeiden wollen, vorausgesetzt, er wüsste um die Bedeutung des Hakenkreuzes. Für wahrscheinlicher halte ich aber, dass es sich um einen oder mehrere überzeugte Neonazis handelt, nicht zuletzt, weil es bei weitem nicht das erste Hakenkreuz ist, das an der Schule auftauchte. Schon vor mehreren Jahren wurde eines mit Tackernadeln in die Vertäfelung der Säulen im B-Gebäude-Keller verewigt, die Spuren des Metalls im Holz sind heute noch sichtbar.Gegen solche Menschen und gegen den Vandalismus im Allgemeinen sollte mit der „Schlüssel-Regelung“ eigentlich vorgegangen werden. Dennoch sind alle genannten Vorfälle NACH der Einführung dieser Regel geschehen. Dies mag allerdings auch an der mangelnden Einhaltung der Regelung liegen: Häufig kommt es vor, dass nach der Pause oder auch nach Ende des eigentlichen Schultages die Toiletten nicht abgeschlossen sind, was natürlich ein mehr als ausreichend großes Zeitfenster für ein Graffiti bietet. Auch die Zahl der Schüler*innen, die permanenten Zugang zu einem Schlüssel haben, ist nicht zu unterschätzen: Hier käme die gesamte Schülervertretung, die Rostra selbst, sowie Leiter*innen von AGs und außerschulischen Aktivitäten infrage. Daher lässt sich definitiv sagen, dass die Effizienz der Maßnahme zu wünschen übrig lässt. 

Möglicherweise auch aus diesen Gründen wurde diese Regelung unlängst wieder aufgehoben. Für die Schülerschaft ist das eine enorme Erleichterung: Das Fragen nach dem Schlüssel, das von vielen Schüler*innen als entwürdigend empfunden wird, fällt jetzt weg. Wie sich diese Lockerung der Regeln auf die Sauberkeit der Toiletten auswirkt, muss sich erst noch zeigen, aber das Entfernen der abschließbaren Türen ist ein Schritt in die richtige Richtung.

Angesagt