Samstag, 22. Februar, 08:45 Uhr, Gleis 11, Osnabrücker Hauptbahnhof: Treffpunkt für Judith Blömer und Karl Bick der Rostra. Abfahrt 08:54 Uhr. Unerwartet pünktlich fährt der Zug ein. Schnell sind Plätze gesucht und gefunden. Während der Zugfahrt besprechen sie schon mal den Plan: Judith steigt in Hannover aus, um sich schonmal dem Rest der Gruppe anzuschließen, der von Hannover nach Berlin fährt. „Der Rest“ sind Jugendliche und Student*innen aus ganz Deutschland, doch sie haben alle eine Sache gemeinsam: Sie sind Mitglied der jungen Presse Niedersachsen. Karl bleibt währenddessen im Zug und fährt schon mal nach Berlin.
Samstag, 22. Februar, 12:16 Uhr, Gleis 11 Berlin Hauptbahnhof: Pünktlich trifft die neugegründete „Reisegruppe Ente“ am Berliner Hauptbahnhof ein. Mit U- und Straßenbahn geht es zur Unterkunft, der Gästeetage. Karl ist bereits vor Ort. Die Zimmer werden verteilt, die Koffer schonmal ein wenig ausgepackt, doch viel Zeit bleibt nicht, denn der nächste Termin folgt sogleich.


Wie wird man eigentlich Bundeswahlleiter*in?
Samstag, 22. Februar, 14:30 Uhr, Berlin Gästeetage: Nach ungefähr eine Dreiviertelstunde Zeit in der Unterkunft geht es los zum Paul-Löbe-Haus. Ca. eine Dreiviertelstunde nach Aufbruch in der Gästeetage sind alle im Paul-Löbe-Haus. Mit schicken Gästeausweisen ausgestattet geht es unterirdisch in den Bundestag, wo ein Treffen mit der Bundeswahlleiterin stattfindet. Ungefähr eine Stunde können wir Fragen stellen, von denen hier einige mit Antworten aufgelistet sind:
Man wird vom BMI (Bundesministerium des Inneren und für Heimat) ernannt, es gibt keine konkreten Vorraussetzungen und man bleibt es an sich für immer, bzw. bis auf weiteres.
Was macht man so als Bundeswahlleiter*in?
Man organisiert die Europa- und die Bundestagswahl, für die Landtagswahlen sind die Länder verantwortlich. Und noch eine interessante Sache: Als Bundeswahlleiter*in darf man mitwählen.
Waren die vorgezogenen Wahlen eine Schwierigkeit bei der Organisation?
Für die Bundeswahlleiterin nicht, allerdings gibt es natürlich einige Schwierigkeiten für die Parteien. Es gibt eine 60-Tage-Frist, bis zu diesem Zeitpunkt müssen die Landeslisten fertig sein, damit genug Zeit für die Briefwahl bleibt. Die Landeslisten dürfen allerdings nur bei sogenannten Aufstellungsversammlungen der Partei stattfinden. Für die großen Parteien wie CDU, SPD, Bündnis 90/die Grünen und AfD ist das kein Problem, aber kleinere Parteien wie Tierschutzpartei, Volt und die Partei müssen Unterschriften sammeln, damit sie für die Bundestagswahl zugelassen werden. Erst nach der Zulassung darf die Aufstellungsversammlung stattfinden. Das gestaltete sich für einige Parteien als schwierig, aufgrund der vorgezogenen Wahlen.
Wie ist das eigentlich wenn man am Wahltag Geburtstag hat und 18 Jahre alt wird. Darf man mitwählen?
Ja, allerdings nicht per Briefwahl, da man am Wahltag volljährig sein muss.
Und wie ist das wenn man zwei Staatsbürgerschaften hat?
Man ist tendenziell in beiden Ländern wahlberechtigt, bei der Regierungswahl darf man auch in beiden Ländern wählen, wenn beide Länder allerdings der EU angehören, muss man sich bei der Europawahl für ein Land entscheiden.
Wie sie es mit digitalen Wahlen aus. Wird das demnächst möglich sein?
Nein wahrscheinlich nicht, da dabei das Risiko vor einem Hackerangriff zu groß ist und außerdem nicht garantiert ist, dass alle Wahlberechtigten dann wählen können, beispielsweise ältere Menschen haben ja öfters Probleme mit technischen Geräten.


Samstag, 22. Februar, 16:45, Bundestag, Berlin: Nach einem kurzen Blick in den Plenarsaal geht es wieder unterirdisch zurück ins Paul-Löbe-Haus. Die Besucherausweise werden wieder abgegeben und es geht nach draußen. Sightseeing ist angesagt! Bilder vom Bundestag, Kanzleramt & Alexanderturm dürfen auch bei dieser Reise natürlich nicht fehlen.




Samstag, 22. Februar, 18:00 Uhr, ARD-Hauptstadtstudio: Pünktlich zu ihrem nächsten Termin treffen sie am ARD-Hauptstadtstudio ein. Hier treffen sie Jörg Schönenborn, den viele vermutlich nur als „Den Typ von den Hochrechnungen“ kennen. Trotz laufender Proben für den morgigen Abend nimmt er sich über eine halbe Stunde Zeit und stellt sich den Fragen der jungen Journalist*innen.
War das schon immer sein Traumberuf?
Nein, eigentlich wollte er Sportmoderator werden und hat den Job 1998 durch Zufall bekommen.
Und was sind so die wichtigsten Eigenschaften?
Nicht wirklich, man sollte Live sicher sein und eine gute Struktur im Reden und Denken haben.
Ist die Sendung geprobt oder improvisiert?
Bis 18 Uhr ist sie komplett geplant und es wird auch geproptert (Von einem Teleprompter abgelesen). Danach gibt es einen groben Plan, also wann ca. die Hochrechnungen kommen, mit wem man zwischendurch reden kann, etc, doch an sich ist der Rest der Sendung improvisiert.
Machen die Wahlabende Spaß?
Ja.
Und wie bereitet man so eine Sendung vor?
Es passier natürlich viel hinter den Kulissen, mit denen er jetzt nicht so viele zu tun hat. Natürlich werden vorher Umfragen gemacht, diese lassen sich studieren, sind aber kein endgültiges Ergebnis. Ansonsten werden die bekannten Infografiken erstellt. Ca. 300 Stück sind im System, weitere entstehen während der Sendung. Insgesamt werden über den ganzen Abend ungefähr 80 der Grafiken genutzt.




Nach diesem ersten anstrengenden Tag geht es zurück zur Unterkunft und nach einer schnellen Mahlzeit direkt ins Bett.
Sonntag, 23. Februar 2025, 07:30 Uhr, Berlin Gästeetage
Der Wecker klingelt. Wahltag! Nach einer etwas zu kurzen Nacht gibt es Frühstück und dann inhaltliche Weiterbildung. Zuerst geht es aber daran die Gruppe etwas kennenzulernen. Parteiengründung steht auf dem Plan. Jede*r denkt sich eine aus. Von Anti-Saarland Partei über DKÜ (das kleinere Übel) bis hinzu der feministischsten Partei, die Deutschland je gesehen hat ist alles dabei. Es folgt: Die Seminarwahl: innerhalb der Teilnehmenden dieses Seminars wurde eine Bundestagswahl durchgeführt. Das Ergebnis:
- Linke: 38,8%
- Grüne: 33,3%
- CDU: 11,1%
- SPD: 5,5%
- Tierschutzpartei: 5,5%
- DIE PARTEI: 5,5%
Ein Ergebnis mit dem alle zufrieden sind, die wahrscheinlichste Koalition wäre bei diesem Ergebnis Grüne und Linke, die gemeinsam fast eine zwei drittel Mehrheit hätten. Nach der Wahl wurde gemeinsam der Wahl-O-Mat gemacht. Bei jeder These wird abgestimmt, ob dafür oder dagegen. Stärkste Kraft wird Volt mit 89,5% Übereinstimmung. Von den im Bundestag vertretenen Parteien ist sie größte Übereinstimmung mit den Grünen zu finden (86,8%). Am schlechtesten schneidet die AfD mit 15,8% Übereinstimmung ab. Nach einem leckeren Mittagessen folgt Tipp den Wa(h)l. Ein Wettbewerb, bei dem alle das Wahlergebnis tippen. Der*die*das Gewinner*in bekommt am Ende „den Wal“, ein aufblasbares Schwimmtier als Trophäe geschenkt.

Sonntag 23. Februar, 15:00 Uhr, Berlin Gästeetage
Ein weiteres Interview steht an! Eine Stunde lang stellt sich der Pressesprecher der Jusos (der Jungsozialist*innen, die Jugendorganisation der SPD) den Fragen der Gruppe.
In wiefern sind die Jusos eigentlich der gleichen Meinung wie die SPD?
An sich ist der Grundsatz beider Gruppen ähnlich, aber in Einzelfragen sind doch schon Unterschiede zu erkennen.
Hoffnungen und Befürchtungen für die Wahl?
Hoffnungen: Dass die SPD in die Opposition kommt.
Befürchtungen: Eine GroKo.
Wäre Pistorius der bessere Kanzlerkandidat gewesen?
Die Jusos halten sich bei solchen Fragen in der Regel zurück und Fangirlen nicht eine bestimmte Person. Sie haben sich bei der K-Frage zurückgehalten. Außerdem sind Olaf Scholz und Boris Pistorius beide innerhalb der SPD nicht linkspolitisch orientiert. Vergleicht man sie mit anderen Parteimitgliedern, tendieren sie eher in Richtung der CDU. Kurz gesagt: Olaf Scholz ist politisch besser, Boris Pistorius kampagnenmäßig.
Und wer wäre der*die*das beste Kanzlerkandidat*in?
Wir hätten nichts gegen eine Frau…
Was gefällt ihm denn am besten an seinem Job?
Mit den Journalist*innen im Gespräch sein, Journalist*innen auf die Nerven gehen und umgekehrt und die gute Zusammenarbeit zwischen Presse und Jusos.
Wie viel haben die Jusos denn mit den anderen Jugendorganisationen zu tun?
Viel, gerade mit der grünen Jugend (Bündnis 90/die Grünen), den Julis (FDP) und der jungen Union (CDU). Es gibt regelmäßige gemeinsame Aktionen und es ist immer ein netter Umgang miteinander.
Sonntag, 23. Februar, 16:30 Uhr, Berlin Gästeetage
Aufbruch zu den Wahlpartys der Parteien: Das gesamte Seminar teilt sich in mehrere Gruppen auf, einige sind bei der SPD akkreditiert (als Presse zugelassen), weitere bei der FDP (Karl unter anderem auch), einer ist bei der CDU und der Rest macht sich auf zur Linken (unter anderem auch Judith).





Die ersten Hochrechnungen kommen. Hier und dort fließen Tränen, es wird gejubelt, gelacht, sich in den Armen gelegen. Leider gibt es keine Möglichkeit ein Interview zu führen, aber die Stimmung lässt sich auch so einfangen.
Da bei der Linken leider niemand eine Akkreditierung bekommen hat, wird es schnell langweilig und so beschließt die Gruppe weiterzuziehen. Direkt nebenan findet die Wahlparty der Grünen statt, hier kommt aber leider niemand rein. So teilt sich die Gruppe auf. Ein Großteil fährt zurück in die Unterkunft und verfolgt da den Wahlabend weiter, der Rest (darunter auch Judith) macht sich auf den Weg zur FDP, versuchen kann man es ja mal…
Überraschend erfolgreich schafft es die Gruppe bei der FDP rein. Dort treffen Judith und Karl wieder aufeinander und beschließen noch einen kleinen Abstecher zur Wahlparty der Tierschutzpartei zu machen. Dieser „kleine Abstecher“ entpuppt sich als zweistündiges Gespräch mit dem Landesvorsitzenden Maxim Seeck. Auch hier wird ein kleines Interview geführt, jedoch schweift das Gespräch schnell ab. Ein paar Fragen sind hier trotzdem notiert:
Wie sieht es denn aktuell aus? Ist die Parteifinanzierung* drin?
*Parteifinanzierung, die – Parteien, die mehr als 0,5% der Stimmen erhalten kriegen eine Förderung durch den Staat
Ist definitiv drin, 0,5% sind zum jetzigen Zeitpunkt locker erreicht.
Was sind die Ziele für die nächste Wahlperiode?
Viel Öffentlichkeitsarbeit, viele Mitglieder gewinnen und bei der Berlin Wahl 2026 gut abschneiden.
Mindestlohn auf 15€ erhöhen?
Auf jeden Fall!
Und Wählen ab 16?
Richtig.
Sonntag, 23.Februar, 23:00 Uhr, In einem Sommer im August, Berlin
Nach diesem netten Ausklang des Abends waren aber auch sie müde und jetzt geht es nur noch zurück in die Unterkunft. Und dann: Schlafen!
Montag, 24. Februar, 07:00 Uhr, Berlin Gästeetage
Wecker, Zimmer räumen Frühstück. Jeder kennt das typische Programm am Ende eines Seminars/einer Klassenfahrt. Nach einer erneuten Seminarwahl mit leichten Veränderungen in den Prozenten findet noch die Auswertung des Tipp den Wa(h)l Wettbewerbs statt. Weder Karl noch Judith gewinnen den Wal, sie schneiden dennoch relativ gut ab. Dann passiert nicht mehr so viel, die typische Auswertung und Evaluation am Ende einer solchen Fahrt darf natürlich nicht fehlen. Alle sind sehr zufrieden und freuen sich auf zuhause. Da geht es jetzt auch hin, die Reisegruppe Ente macht sich auf den Weg zum Hauptbahnhof und es geht zurück nach Osnabrück.



Sehr gut und informativ👍