„Deine Gewalt ist nur ein stummer Schrei nach Liebe, deine Springerstiefel sehen sich nach Zärtlichkeit“, schallte es am 25. Januar von den Mauern des Theater. Ein Meer aus verschiedensten Flaggen, Gesichtern, Regenschirmen und Bannern hatte sich hier versammelt um gegen einen Infostand der AfD und der jungen Alternative vor dem Theater zu demonstrieren. Das Theater selbst hatte eine interessante Art des Protests vorbereitet: Bei offenen Fenstern wurde mit dem Hinterteil voran in Richtung des Infostands getanzt und geschauspielert. Außerdem waren zwei Seifenblasenmaschinen in vollem Einsatz.


Janis Trentmann und Judith Blömer von der Rostra waren selbstverständlich vor Ort und haben einige Interviews geführt. Dabei hatten sie sich fünf Fragen überlegt, deren Antworten wir hier zusammengefasst präsentieren:
Auf die erste Frage: „Warum sind Sie heute hier?“ antworteten die meisten mit: „um etwas gegen Rechts zu unternehmen“ oder „um gegen die AfD zu demonstrieren“. Eine etwas ausführlichere Antwort lieferte ihnen ein Berufsschullehrer: „Weil man etwas gegen die AfD tun muss, weil man deutlich machen muss, dass es eine Öffentlichkeit gibt, die gegen die AfD ist und weil die AfD eine Bedrohung für die Demokratie ist.“
Auf ihre zweite Frage, wie groß er das Faschismusproblem in Deutschland sähe, antwortete er ihnen, dass „man […] es sehr sehr sehr ernst nehmen [muss], wir sind an einem kritischen Punkt. Ich sehe die Gefahr, österreichische Verhältnisse zu bekommen“. Und er war nicht der einzige der besorgt ist. Ein paar Mal erhielten sie die Antwort, dass das Problem immer größer würde oder es bereits sehr groß sei. Ein weiterer Mann sagte ihnen, dass es wieder möglich sei, Dinge zu sagen, die man sich früher nicht getraut hätte zu sagen.
Die Meinungen zum Lieblingsprotestruf waren nicht sehr unterschiedlich, sie haben genau zwei verschiedene Antworten bekommen. Die Hälfte aller interviewten antworteten mit „Schrei nach Liebe“ von den Ärzten (https://open.spotify.com/track/4P4PHxZQ1FcwQKKnfEPsAZ?si=r7AGorljSI6E3foJ6xTtHQ) die andere Hälfte mit der umgedichteten Version von „Hejo, spann den Wagen an“, die nun „Wehrt euch, leistet Widerstand“ hieß.
In eine ähnliche Richtung ging ihre vierte Frage, welcher Plakatspruch am beliebtesten war. Besonders gut kamen hierbei „Handle stehts so, dass du nicht zum Steigbügelhalter der AfD wirst“, „Demonstrieren mach ich gratis“ und „Okapis gegen Nazis“ an.
Als letztes fragten sie nach Befürchtungen und Hoffnungen für die Bundestagswahl 2025. Alle Befragten befürchteten hohe Stimmenzahlen für die AfD, das BSW und die FDP. Die gemeinsame Hoffnung war dementsprechend das Gegenteil. Einzelne antworteten außerdem, dass sie hoffen, dass die Grünen möglichst viele Stimmen kriegen und dass die Linke die 5-Prozent-Hürde schafft.
Sie hatten außerdem die Möglichkeit mit einer der Organisator*innen vom DGB zu sprechen. Sie antwortete ähnlich auf ihre Fragen, wie der Rest der Leute und erklärte ihnen, dass sie gerade schon an der Planung weiterer Demos arbeite. Eine davon finde am 15. Februar 2025 hier in Osnabrück statt (genauere Informationen konnte sie uns noch nicht geben).

Sehr gut und informativ👍