Ein besorgter Elftklässler kritisierte in einer Rostra-Ausgabe von1977 das Auftreten von Neonazis in Osnabrück, durch die Jugendorganisation „Junge Nationaldemokraten“ (JN), die als Jugendorganisation der rechtsextremen Nationaldemokratischen Partei Deutschlands (NPD) fungierte.
Die JN spielte während der 1970er Jahre eine wichtige Rolle bei der Rekrutierung und ideologischen Schulung junger Rechtsextremisten. Aufgrund von Konflikten innerhalb der NPD sowie zunehmendem Druck durch staatliche Überwachung und Repression verfiel die Partei in den 2000er Jahren in einen Bedeutungsverlust innerhalb der heutigen Rechtsextremen-Szene.
47 Jahre nach Veröffentlichung des Kommentars in der Rostra legt eine repräsentative Studie der Universität Bielefeld,
einen vehementen Anstieg rechtsextremistischer Positionen sowie durch jene Gesinnung motivierte Straftaten seit dem Jahr 2000 dar.
In Thüringen finden am Tag der Veröffentlichung dieses Artikels, dem 01.9.24, die Landtagswahlen statt, bei welcher die vom Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestufte AfD Thüringen das Potenzial hat, mit prognostizierten 30 % stärkste Partei zu werden.
Wir erachten es somit auch heute noch als unsere Verantwortung, die politische Entwicklung hinsichtlich der Zunahme politisch extremer Position mit Sorge zu betrachten.
Der besagte Kommentar aus dem Jahr 1977 (gekürzt):

Schon seit einiger Zeit geht eine Welle der Hitler-Verharmlosung durch Kino (z.B. Hitler – eine Karriere) und Massenmedien (Nazifilme, Serien in illustrierten). Zusätzlich zur immer deutlicheren Entwicklung in der BRD wird jetzt auch der Nazifaschismus hoffähig gemacht. Eine schon beträchtliche Anzahl neofaschistischer Organisationen, die sich z.T. sogar paramilitärisch ausbilden (z.B. „Wehrsportgruppe Hoffmann“, Wiking Jugend, NSDAP/AO, NPD, „JN“ usw.) gewinnen zunehmend Anhänger. In der „Deutschen Nationalzeitung“ leugnen sie die Ermordung der 6.000.000 Juden und lobpreisen Hitler. Sie wollen und sagen tagesgleiche was damals: „Rotfront verrecke“ fordern die Nazis in einem ihrer Flugblätter (daß die SPD dazugehört, ist klar). Sie hetzen gegen Ausländer, sie wollen ein „großdeutsches Reich“ schaffen! Das dürfte natürlich nur durch Krieg möglich sein!! 46 SS-Treffen sind allein für diesen Sommer angekündigt, „Der Angriff beginnt!“ kündigen die „Jungen Nationaldemokraten“ (JN) in ihrem Blatt „Der Pfeil“ an.
NUN WAREN DIE NAZIS AUCH IN OSNABRÜCK!!!
Am 17./18.9. fand bei Lehmann im Schinkel ein Bundeskongress der JN unter dem Leitthema „Zerschlagt Rotfront und Reaktion (wie damals beinhaltet ihre Ideologie Klassenkämpferische Elemente) statt.
Schon 2 Wochen zuvor hatte die JN einen Stand auf der Großen Straße gemacht (Gummiknüppel im Ärmel, Eisenstangen und Stahlfedern unterm Tisch), woraufhin einige hundert Antifaschisten ihn abräumen wollten, denn, das Recht auf Meinungsfreiheit haben die Nazis sich millionenfach verwirkt. Doch wieder einmal schützte die Polizei die Faschisten, mit Hunden und Schlagstöcken traten einige Dutzend an und verhafteten und verprügelten die Antifaschisten.
Zur Einleitung des Kongresses hatten die Nazis dann Freitagabend und Samstagmorgen „Großveranstaltungen“ angekündigt; ein „Antifaschistischer Arbeitskreis“ hatte sich davor schon gebildet, der auch Gegendemonstrationen in Gang setzte. Um dabei Auseinandersetzungen zu verhindern, waren 11 Hundertschaften Polizei aus dem ganzen Umland aufgeboten worden.
So sahen die Lügen der Nazis Freitagabend sah nun schließlich auch so aus, daß vielleicht 20 Nazis mit Eisenstangen und Megaphon auf die Große Straße zogen – und dort etwa 800 Antifaschisten erwartet wurden!!!


Sehr gut und informativ👍