Interview mit Herrn Richter

Wer in den letzten Monaten die Schultoiletten nutzen musste, kennt das Problem: sie sind unhygienisch, teilweise zerstört und der Geruch ist auch nicht angenehm. Auch gibt es nicht genug Kabinen, um einen reibungslosen Ablauf zu gewährleisten. Hier haben wir einmal zusammengerechnet: Insgesamt stehen dem männlichen Teil der Schülerschaft 16 Unisex- und Herrentoiletten zur Verfügung, 7 dieser Kabinen, 6 im A- und eine im D-Gebäude, sind aufgrund von Vandalismus nicht oder nur sehr begrenzt zugänglich. Weitere 7 Kabinen, darunter die einzige behindertengerechte, sind abgeschlossen. Zu erwähnen ist jedoch auch, dass die Schülerschaft selbst auch einen Anteil an der Schließung hat: Vandalismus, rechtsextreme Graffitis, Diebstahl und Missbrauch öffentlichen Eigentums sind nur einige der Probleme. Hierzu haben wir Herrn Richter einige Fragen gestellt:

Wie lange besteht dieses Problem schon?
Das ist vor einem halben Jahr das erste Mal aufgetaucht, da wurde erstmal „nur“ eine Toilettentür abgerissen. Und das Problem dabei ist, das sind Sonderanfertigungen, also das ist nicht einfach Material von der Stange, sondern da musste wirklich eine Firma kommen und Maßanfertigungen machen.[…] Und nach 14 Tagen sind in der gleichen Toilette wieder drei Türen abgebaut worden, das war dem Hausmeister dann zu viel, da hat er die Toilette abgesperrt und ich habe darauf aufmerksam gemacht, dass sachdienliche Hinweise erbeten werden, da ist aber bisher noch nichts passiert. […] Dazu kommt dann noch das Verunreinigungs-Problem, ich zeige euch mal Fotos. (Er zeigt uns zwei Fotos, auf einem befinden sich Fäkalien auf der Brille der Toilette und auf dem Boden, auf dem zweiten sieht man, wie eine Toilette mit einer kompletten Rolle Toilettenpapier verstopft und anschließend mit Fäkalien beschmiert wurde)[…] Dagegen gehen wir vor, da ist eine Regelung in Planung: Wir werden die Toiletten nur noch in den Pausen öffnen, im Unterricht muss man sich dann einen Schlüssel von der Lehrkraft ausleihen. So kann man zumindest eingrenzen, wer es sein könnte.[…]

Haben sie durch den Vandalismus zusätzliche Arbeit, die sich sonst vermeiden ließe?
Abgesehen vom Informieren der zuständigen Firmen habe ich da eher weniger Arbeit, die kümmern sich dann darum. Sei es eine Rohrreinigungsfirma oder eine für Metallarbeiten oder was auch immer dann das Problem ist. Zusätzliche Arbeit haben dann vor allem der Hausmeister, die Reinigungskräfte und Herr Bröcker, aber für mich hält sich das in Grenzen mit dem Aufwand.

Sie hatten eine Regelung mit Schlüsseln erwähnt, werden zur Zeit präventive Maßnahmen gegen den Vandalismus betrieben?
Ja, die Aufsicht wird dazu angehalten, da in den Pausen verstärkt nachzuschauen und auch der Hausmeister macht sich regelmäßig ein Bild davon. Außerdem könnt ihr als Schülerschaft natürlich auch was sagen, die Verantwortlichen ansprechen, sagen, dass das so nicht geht. […]
Haben sie eine Vermutung, wer verantwortlich sein könnte?
Wir haben ja gesehen, dass da alle möglichen Leute was an die Wände schreiben, jetzt war es zum Beispiel ein VFL-Fan, und zwar nicht einer von der aufgeklärten, liberalen Art, aber das könnte in der Tat jeder sein. Die Erfahrung hat gezeigt, das sich sowas vor allem in den Jahrgängen 8-10 abspielt, aber das ist nur eine auf Erfahrung basierende Vermutung. […] Das biologisch männliche Geschlecht sollte Erwähnung finden, die Mädels machen das nicht.

Können sie der Schülerschaft etwas empfehlen, was sie tun könnten, um das Problem einzudämmen?
Ja, auf jeden Fall, Kommunikation. Mal sagen „Das ist nicht in Ordnung“ oder „Leute, lasst das“ und zur Not auch die Lehrkräfte ansprechen. Also, niemand mag Verräter, und Unfug gehört auch zum Schülerleben dazu, aber es gibt eine Grenze und die wird da gerade überschritten, das ist unerhört. Deswegen auf jeden Fall zu den Lehrern gehen, ihr müsst ja nicht direkt mit Richter drohen, aber damit die auf jeden Fall ausgebremst werden.[…]

Haben sie den Verantwortlichen persönlich etwas zu sagen?
Das ist unmöglich, was da abgezogen wird. Jeder muss diese Toiletten benutzen. Ich weiß nicht, warum. In meiner Jugend hatte ich biologisch nie das Problem, die Schultoilette zu benutzen, vielleicht weil die alle so viel trinken. Ist ja auch eigentlich egal, warum. Jedenfalls muss die Allgemeinheit diese Toiletten benutzen und das ist einfach nur asozial, wenn da einzelne die Toilette verdrecken, die für die ganze Schülerschaft gedacht ist, und auch an die Verunreiniger, da könnte man vielleicht noch einen medizinischen Notfall unterstellen, dass es einfach nicht mehr geschafft wurde, aber da hätte man zumindest Bescheid sagen können. Aber das wurde nicht gemacht, der Verantwortliche hat das einfach liegen gelassen und die Putzfrau, es war ihr erster Tag, die musste das dann wegmachen. Also das ist wirklich unmöglich und wenn ich die Verantwortlichen finde, den von der Sache mit der Tür habe ich ja schon gefunden, für die wird das auf jeden Fall nicht angenehm.[…]
(Das vollständige Interview ist auf Anfrage bei Janis Trentmann also Audiodatei verfügbar)
Schultoilette – Daten und Fakten
16 Herren- und Unisextoiletten theoretisch verfügbar
Je nach Situation 2-4 tatsächlich nutzbar (A-Gebäude Keller)
ca. 500 männliche Schüler müssen ihr Geschäft in 35 Minuten Pause verrichten
Zwei Stunden Arbeit, um ein Graffiti zu entfernen
Außenstehende Firmen müssen bestellt werden, um Schäden zu beheben
Insgesamt vier Türen wurden abgerissen
Es handelt sich um Sonderanfertigungen


Sehr gut und informativ👍