Die Rostra ist wieder da, als Onlinemagazin und auf Instagram. Schnell und jederzeit aufrufbar. Aber wie sah die Rostra eigentlich vor Smartphone und IPad, vor Google Drive und IServ aus? Christian Pfennig war vor fast 30 Jahren bis zu seinem Abitur 1994 verantwort-licher Redakteur der Rostra. Er teilt seine Erfahrungen mit uns.
Nach seinem Studium an der Deutschen Journalistenschule stieg Pfennig über verschiedene Stationen zum Marketing- und

Kommunikationsdirektor sowie Teil der Geschäftsleitung bei der Deutschen Fußball Liga auf. Die DFL ist der Verband der 1. und 2. Bundesliga, sie vertritt die Interessen der Vereine, organisiert den Ligabetrieb und verkauft unter anderem die Übertragungsrechte der Spiele. Heute lebt Pfennig in Frankfurt am Main und arbeitet dort seit Mitte 2022 als Unternehmensberater.
Herr Pfennig, Sie waren mehrere Jahre verantwortlicher Redakteur der Rostra. Wie sind Sie damals dazu gekommen, sich dort zu engagieren?
„Ich habe in der neunten Klasse einen Artikel über die Republikaner geschrieben. Die waren als rechtsradikale Partei Ende der achtziger Jahre im Aufwind, wenn auch deutlich weniger erfolgreich als die AfD heute. Dagegen wollte ich etwas tun. Den Artikel habe ich dann in den Rostra-Briefkasten, den es damals gab, geworfen – und der Artikel wurde zu meiner Verblüffung vollständig gedruckt.“
Wie hat die Arbeit der Rostra damals ausgesehen, welche Schwierigkeiten hatten Sie und wie sind Sie denen begegnet?
„Es hat Spaß gemacht, als Team für Redaktion, Layout, Druck und Anzeigenverkauf gleichermaßen verantwortlich zu sein. Und dazu mussten die Finanzen stimmen. Nennen möchte ich in diesem Zusammenhang vor allem Jens Niebaum und Ronnie Papke. Natürlich war nicht alles perfekt. Über Schwierigkeiten haben wir aber nicht lange nachgedacht.“
Gibt es Artikel, die einen bleibenden Eindruck hinterlassen haben?
„Einmal durfte das Heft wegen kritischer Artikel nicht auf dem Schulgelände verkauft werden. Wir haben die Hefte dann zwei Meter vor dem Schulgelände an die Leserinnen und Leser gebracht. Was die Sache natürlich noch interessanter machte.“
Was haben Sie in dieser Zeit gelernt und wie hat Ihnen das in Ihrem späteren Leben weitergeholfen?
„Engagement macht Spaß. Und: Respekt, aber keine Angst vor Autoritäten. Rückblickend bin ich dem Rats für diese Erfahrungen dankbar.“
Nach Ihrem Abitur waren Sie dann schon vor dem Journalismus Studium bei der NOZ und währenddessen beim Sport-Informations-Dienst. Was haben Sie dort gemacht?
„Ich habe als Fußball-Redakteur gearbeitet und unter anderem Bayern München sowie die deutsche Nationalmannschaft betreut. Das war eine spannende Zeit mit vielen Reisen, auch zu Welt- und Europameisterschaften und zu Olympischen Spielen.“

Anschließend fingen Sie 2004 erst als Pressesprecher, ab 2008 sogar als Kommunikationsdirektor und ab 2015 als Mitglied der Geschäftsleitung bei der DFL an. Wie kam es dazu?
„Die DFL, die sich als Vertretung der Bundesliga und 2. Bundesliga Anfang des Jahrtausends eigenständig
gemacht hatte, brauchte jemanden in der Pressestelle. Da sind sie auf mich gekommen. In den kommenden Jahren hatte ich dann die Chance, die DFL auf ihrem Weg vom Ligasekretariat zum internationalen Sport- und Medienunter-nehmen mitzugestalten.“
Wie konnte man sich einen typischen Arbeitstag von Ihnen bei der DFL vorstellen?
„Das Schöne war zugleich das Herausfordernde: Den typischen Arbeitstag gab es nicht.“
Was muss sich in Deutschland ändern, um dem Trend entgegenzuwirken, dass immer weniger Kinder und Jugendliche Sport machen? Hat der Sport ein Imageproblem?
„Der Eindruck ist falsch. Nach Corona ist die Zahl von Kindern und Jugendlichen in den Sportvereinen wieder gestiegen. Aber klar: Die Konkurrenz für den Sport ist härter geworden. Das Freizeit- und Mediennutzungsverhalten hat sich vor dem Hintergrund unzähliger Angebote radikal verändert.“
2022 haben Sie den Job gewechselt, was machen Sie jetzt?
„Ich bin Managing Partner einer Unternehmensberatung für Strategie und Kommunikation in Frankfurt. Wir beraten branchenübergreifend Unternehmen, Organisationen und Verbände in erfolgskritischen Situationen. Dabei entwickeln wir Kommunikationsstrategien und unterstützen bei der Umsetzung.“
Was raten Sie den Schülerinnen und Schülern des Ratsgymnasiums, die sich in den nächsten Jahren entscheiden müssen, was sie im Leben machen möchten?
„Macht nichts, was Euch keine Freude bereitet oder wozu ihr nicht stehen könnt. Dann seid ihr auch nicht gut – und dafür ist das Leben zu kurz.“
Eine letzte Frage habe ich noch: Bayern oder Dortmund?
(Schmunzelt) „Für die Rostra zählt doch vor allem eines: Wir sind alle ein Stück VfL Osnabrück!“
Vielen Dank für das Interview


Sehr gut und informativ👍